back schliessen Drucken forward
Nach Oben
Olav Berg (*1949) Norwegen/ Norway

Vertigo für Fagott Solo/ for Bassoon solo (1992).
NMI (Norwegian Music Information Center)

Sonatine für Fagott und Klavier/ Sonatina for Bassoon and piano (1995).
Schott FAG 29
  Besprechung 

Olav Berg wurde 1949 in dem kleinen norwegischen Dorf Kvelde in der Region Vestfold geboren. 1972 begegnete er zum ersten Mal seinem Lehrer Antonio Bibalo, durch dessen fünfjährigen Unterricht er nachhaltig beeinflusst wurde, so dass für Berg feststand, daß er hauptberuflich Komponist werden wollte. Allerdings musste er zunächst seinen Lebensunterhalt als Trompeter der Musikkapelle der königlichen Marine in Horten verdienen. Während dieser Zeit (1973 bis 1979) gelang es ihm, für ein Jahr bei Lennox Berkley in London seine Kompositionsstudien zu vertiefen. Seit 1981 widmet er sich ausschließlich der Komposition.

Olav Bergs Musik entsteht meist folgendermaßen: er improvisiert am Klavier, bis er auf musikalische Ideen oder Motive stößt, die ihn anspricht und die er dann notiert. Im Stadium des Improvisierens sammelt er musikalische "Zellen", mit denen er dann zu komponieren beginnt.

Die Sonatine für Fagott und Klavier veranschaulicht sein Kompositionsverfahren deutlich. So klingt der Anfang der Sonatine nach einem zaghaften »Suchen«: In den ersten sechs Takten kreist das Fagott in kleinsten Intervallen um den Ton C. Dieses "zögernde Moment" kehrt im Laufe des Stückes wieder, allerdings nicht mehr in diesem Ausmaß. Der formale Aufbau dieses Prozesshaften Sich-Entwickelns folgt keiner strengen Gesetzmäßigkeit. Solches Experimentieren mit einem kleinen Tonfeld als Initialidee für eine Sonatine, gepaart mit subtilen dynamischen und artikulatorischen Ausdrucksmitteln, läßt Gedanken an eine von ihm als "Mezzoforte-Musik" abgelehnte Musik, die kontrastarm dahinfließt, gar nicht erst aufkommen.

Für das 1992 von Dag Jensen in Amsterdam erstmals aufgeführte Vertigo für Fagott solo könnte man Olav Bergs musikalisches Credo anführen-. "Der Zuhörer soll einfach nur mit einer offenen Einstellung zuhören und sich von seiner Imagination leiten lassen. Nur so wird er mitschaffen und nicht in Passivität verfallen."